Patellaluxation - Symptome und Ursachen

Die Kniescheibe (lat. Patella) schützt das Kniegelenk und sorgt für eine Verteilung und Kraftübertragung des Muskelzugs vom Ober- auf den Unterschenkel. Durch ihre kongruente V-Form passt die Kniescheibe ideal in das Gleitlager des Oberschenkelknochens. Bei einer Patellaluxation springt die Kniescheibe aus dieser Führung nach außen heraus. Dabei kommt es häufig zu einem Gelenkerguss. Das Gelenk ist meist geschwollen und die Funktion schmerzbedingt deutlich eingeschränkt.

Häufigste Ursache der Patellaluxation sind angeborene anatomische Veränderungen. Die Fehlausbildung der Kniescheibe und des Gleitlagers, eine hochstehende Kniescheibe und die Fehlstellung des Kniegelenkes („X-Beine“) prädisponieren – ebenso wie eine Schwäche der Muskulatur oder des Bindegewebes meist in Kombination zur Instabilität der Kniescheibe. Im Rahmen von Bagatellbewegungen mit Verdrehung können diese Veränderungen zur Luxation führen. Jedoch kann die Kniescheibenverrenkung auch im Rahmen von Unfällen mit direktem seitlichem Anprall auftreten. Die Reposition der Kniescheibe, d. h. das Zurückspringen in das Gleitlager, erfolgt meist spontan oder durch Streckung des Kniegelenks. Dabei treten häufig Verletzungen der Bänder der Knieinnenseite sowie des Knorpels bzw. auch des Knochens auf.

 Diagnostik, Therapie und Operationsverfahren

Nach Reposition der Patella, ausführlicher Anamnese und eingehender klinischer Untersuchung wenden wir zur Diagnosesicherung verschiedene bildgebende Untersuchungsverfahren an. Röntgenaufnahmen geben Hinweise auf mögliche anlagebedingte Ursachen, knöcherne Verletzungen oder Patellahochstand. Bei der Magnetresonanztomographie und diagnostischen Arthroskopie lassen sich Knorpelschäden und sowie Schäden an Weichteilen des Kniegelenks darstellen. Weiter müssen auch alle anderen Gelenkstrukturen (Menisken, Kreuzbänder) kontrolliert werden. Bei einem massiven Gelenkerguss sollte eine Punktion des Kniegelenks durchgeführt werden. Diese wirkt schmerzlindernd und verhindert, das Blut schädigend auf die Knorpeloberfläche wirken kann.

Bei einer akuten Patellaluxation ohne Begleitverletzungen und Risikofaktoren, erfolgt in der Regel eine konservative Therapie mit entzündungshemmenden Maßnahmen und Ruhigstellung in einer Orthese in Streckstellung für 4-6 Wochen mit begleitenden physiotherapeutischen Maßnahmen.

Bei Luxationen mit Knorpelabscherverletzungen (Flakeverletzung) erfolgt die akute operative Maßnahme zur Wiederanheftung des Knorpels (Flakerefixation) und ggf. gleichzeitiger Naht des Kniescheibenbandapparates.

Da das Risiko eines Knorpelschadens oder einer Arthrose mit jeder weiteren Luxation deutlich ansteigt, sollten bei einer Therapie nicht nur die Beschwerden vermindert, sondern auch die Stabilität zur Vermeidung weiterer Luxationen verbessert werden.
Eine persistierende klinische Instabilität und das Vorliegen von Risikofaktoren für erneute Luxationen machen eine operative Therapie zur Stabilisierung notwendig.

Je nach vorliegender Diagnose, dem Ausmaß bzw. Grad der Instabilität und den möglichen Begleitverletzungen können bei einer Patellaluxation verschiedene arthroskopische und offene Operationsverfahren Anwendung finden.

Der aktuell am häufigsten durchgeführte Eingriff ist die Rekonstruktion des Patellahaltebandes (MPFL-Rekonstruktion). Hierbei wird das gerissene und ausgelockerte Band, das zwischen der Innenseite der Patella und dem Oberschenkelknochen verläuft, durch eine körpereigene Sehne ersetzt. Liegen weitere schwerwiegende Risikofaktoren vor sollten diese mit adressiert werden. Insbesondere die X-Bein- oder eine Bein-Rotationsfehlstellung und die Fehlstellung der Kniescheibe (z. B. Hochstand) werden durch knöcherne Eingriffe korrigiert.

Bei der sogenannten Osteotomie wird die Traglinie auf die Mitte des Kniegelenkes korrigiert um die Zugrichtung auf die Patella zu normalisieren (Link zu Text 2). Durch Versetzen des knöchernen Ansatzes der Patellarsehne am Schienbeinkopf kann ebenfalls die Zugrichtung und die Höheneinstellung der Patella adressiert werden.

Bei der sogenannten Trochleaplastik wird die Gelenkfläche des Gleitlagers vertieft, um ein gleichschenkliges konkaves Gleitlager und eine gute knöcherne Führung für die Kniescheibe zu erzeugen. Häufig ist eine Kombination der genannten Eingriffe erforderlich um stabile Verhältnisse zu erlangen.
Ziel aller Operationsmethoden ist eine Stabilisierung der Kniescheibe zentral zwischen den Gelenkfortsätzen des Oberschenkelknochens in ihrem Gleitlager.

 Nachbehandlung

Die Nachbehandlung erfolgt in Abhängigkeit des gewählten Operationsverfahrens. In der Regel wird eine Schiene (Orthese) angelegt und eine passive Bewegungstherapie unter physiotherapeutischer Anleitung entsprechend den Vorgaben des Operateurs durchgeführt.
Durch frühzeitige physiotherapeutische Mobilisation und zunehmend selbstständiges Training wird der innere Oberschenkelstrecker gestärkt, um die Zugrichtung auf die Kniescheibe günstig zu beeinflussen.

 Unsere Leistungen

- gezielte radiologische Untersuchungsverfahren zur Diagnosesicherung mit Röntgendiagnostik des Kniegelenkes, einschließlich Röntgenganzbeinstandaufnahmen, ergänzt durch Magnetresonanztomographie und MRT-gestützte Beinrotationsmessung
- multimodale konservative Therapiekonzepte mit physio- und schmerztherapeutischen Maßnahmen
- umfassende Erfahrung mit minimalinvasiven, arthroskopischen Operationsverfahren
- ein Höchstmaß an Sicherheit für unsere Patienten durch die Nutzung modernster Technik
- und: ein erfahrenes und qualifiziertes Behandlungsteam bestehend aus den Chirurgen unserer Fachabteilung sowie den Anästhesisten und Fachpflegekräften sowie Therapeuten der BG Unfallklinik

  Chefarzt

Dr. med. Frederic Welsch

Sekretariat :
Sandra Rodriguez Lombardo, Helga Junker, Michelle Jäger

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