Korrekturen der Knieachse bei Arthrose und Fehlstellung des Kniegelenks - Anatomie/Biomechanik und Symptomatik

Der Mittelpunkt des Kniegelenks liegt auf der Linie zwischen dem Mittelpunkt des Hüft- und des Sprunggelenks. Von einer Kniefehlstellung spricht man, wenn anlage- oder krankheitsbedingt eine Achsabweichung zwischen Ober- und Unterschenkel vorliegt, wie etwa bei sogenannten X- und O-Beinen. Bei einem X-Bein wird die Außenseite des Kniegelenks stärker belastet, bei einem O-Bein der innere Bereich. Mit der Achsenfehlstellung einhergehen kann auch eine Rotationsfehlstellung. Folgen sind einseitige Mehrbelastungen sowie Überbeanspruchungen des Kniegelenks, die wiederum zu Arthrose (lat. Gonarthrosis deformans) führen können. Die Arthrose ist durch fortschreitende Schmerzen mit zunehmender Funktionseinschränkung des Kniegelenks geprägt. Die Befallshäufigkeit nimmt mit dem Alter zu. Neben entzündlichen Kapselverdickungen und Ergussbildungen besteht ein Aufbruch des Gelenkknorpels mit Verdichtung des darunter liegenden Knochens (subchondrale Sklerosierung) sowie knöchernen Anbauprozessen (Osteophyten).

Hat die Arthrose einmal begonnen kann sie nicht mehr rückgängig gemacht werden und schreitet mehr oder weniger langsam voran. Der Körper hat keine Mechanismen den Knorpel zu reparieren, sodass mit fortschreitendem Knorpelabbau auch die energieabsorptive Funktion und Gleitfähigkeit des Knorpels verloren geht. Kleinste Frakturen am Knochen können die Folge sein. Während die Verschleißerscheinungen einen eher stetigen Verlauf zeigen, ist die Schmerzsymptomatik häufig wellenartig.

 Diagnostik, Therapie und Operationsverfahren

Nach einer ausführlichen Anamnese und eingehenden klinischen Untersuchung wenden wir bildgebende Untersuchungsverfahren zur Diagnosesicherung an. Röntgenaufnahmen zeigen eine Verschmälerung des Gelenkspaltes, machen knöcherne Anbauten (Osteophyten) bis zur Deformierung des Gelenkes deutlich und dienen der Überprüfung der Gelenkstellung. Insbesondere die Ganzbeinstand-Röntgenaufnahme bietet die Möglichkeit der exakten Beinachsenbeurteilung.

Die Therapie der Gonarthrose ist abhängig vom jeweiligen Stadium. Wenn nicht-operative (konservative) Therapieverfahren keinen anhaltenden Erfolg zeigen, kann ein chirurgischer Eingriff notwendig werden: Bei gelenkerhaltenden Operationsverfahren (Umstellungsosteotomie) wird durch die Veränderung der Beinachse die Kniebelastung in Richtung des gesunden Gelenkkompartiments verändert und der geschädigte Knorpel entlastet. Hierdurch sollen Beschwerden reduziert sowie Funktion und Belastbarkeit verbessert werden. Als minimal invasive Operation findet die Osteotomie insbesondere bei jüngeren Patienten mit Beinachsfehlstellung Anwendung. Der Zeitpunkt für die Implantation eine Endoprothese lässt sich hierdurch etwa um zehn Jahre hinauszögern.

Es gibt eine Vielzahl an unterschiedlichen Korrekturosteotomietechniken, die technisch sehr anspruchsvoll sind. Sie erfordern Erfahrung in Bezug auf die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Verfahren, eine individuelle Planung im Vorfeld der Operation und ein exaktes intraoperatives Umsetzen der angestrebten Korrektur. Die operative Korrektur erfolgt am Ort der Fehlstellung. Sie wird dementsprechend am knienahen Oberschenkel oder Schienbeinkopf bzw. falls erforderlich an beiden Knochen durchgeführt und mit stabilen Titan- oder Carbon-Kunststoffplatten gesichert. Vor dem Eingriff führen wir einen sogenannten „Brace-Test“ mittels einer äußeren beweglichen Knieschiene (Orthese) durch, welche durch Lastverlagerung über ein Dreipunktprinzip die Situation der Achskorrektur am Knie vorab simuliert, um so die Erfolgsaussichten des operativen Eingriffes abschätzen zu können.

Als alternative gelenkerhaltende Operationsmethode bei schmerzhafter Arthrose ausschließlich des inneren Gelenkanteiles besteht die Möglichkeit der Implantation einer Entlastungsfeder (ATLAS-System) als Gelenk-überbrückender Stoßdämpfer auf den Knochen des inneren Gelenkanteils. Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass die Achsfehlstellung gering ist und ein stabiler Bandapparat vorliegt.

 Nachbehandlung

Die Nachbehandlung ist abhängig vom gewählten Therapieverfahren und wird in Absprache mit dem Operateur von physiotherapeutischen Maßnahmen begleitet: Nach gelenkerhaltenden Korrekturosteotomien erfolgt in der Regel eine frühe Mobilisation mit schmerzadaptierter Belastungssteigerung sowie einer Teilbelastung von 6 bis 12 Wochen. Ergänzend erfolgt die frühe Mobilisation mit einer Kniemotorschiene zur passiven Beübung der Beweglichkeit (CPM-Schiene - Continuos Passive Motion).

 Unsere Leistungen

- gezielte radiologische Untersuchungsverfahren zur Diagnosesicherung mit Röntgendiagnostik des Kniegelenkes einschließlich Röntgen-Ganzbeinstandaufnahme und digitaler Planungsmöglichkeit der Korrektur
- multimodale konservative Therapiekonzepte mit physio- und schmerztherapeutischen Maßnahmen
- viel Erfahrung mit minimalinvasiven, arthroskopischen Operationsverfahren und verschiedensten Korrektur-Osteotomietechniken und Implantate
 - ein Höchstmaß an Sicherheit für unsere Patienten durch die Nutzung modernster Operationstechnik
- und ein erfahrenes und qualifiziertes Behandlungsteam bestehend aus den Chirurgen unserer Fachabteilung sowie den Anästhesisten und Fachpflegekräften sowie Therapeuten der BG Unfallklinik

  Chefarzt

Dr. med. Frederic Welsch

Sekretariat :
Sandra Rodriguez Lombardo, Helga Junker, Michelle Jäger

  069 475-2121   069 475-2192 sportorthopaedie@bgu-frankfurt.de