Komplexe Kniebandverletzungen - Symptome und Ursachen

Die Funktion des Kniegelenks basiert auf dem komplexen Zusammenspiel der Knochen, Knorpel, Menisken, Sehnen, Muskeln und Bänder. Der Kniebandapparat, v.a. bestehend aus Seiten- und Kreuzbändern, dient der Beweglichkeit und stabilisiert das Gelenk. Das Innen- und das Außenband vermitteln vor allem seitliche Stabilität, während die Kreuzbänder die Stabilität nach vorne und hinten, sowie die Rotationsstabilität gewährleisten. Wenn ein Band fehlt oder überdehnt ist und seine Funktion nicht mehr erfüllen kann, liegt eine sogenannte Bandinsuffizienz vor. Sind die Fasern des Gelenkbandes teilweise oder komplett zerrissen, spricht man von einer Bandruptur. Bandverletzungen und -risse sind in der Regel traumatisch bedingt und betreffen meist jüngere, aktive Patienten. Häufig wird das Knie bei Sportunfällen, insbesondere beim Skifahren oder Fußballspielen, akut überdreht. Es schwillt an und lässt sich nur noch unter Schmerzen bewegen.

 Diagnostik, Therapie und Operationsverfahren

Nach eingehender Anamnese und klinischer Untersuchung inklusive Stabilitätstests werden von uns bildgebende Untersuchungsverfahren wie Röntgen, Magnetresonanztomographie, ggf. Computertomographie oder Röntgendurchleuchtung angewendet. Die Diagnostik dient dem Erkennen und Unterscheiden der isolierten von der kombinierten Bandverletzung sowie möglicher Begleitverletzungen und –pathologien, die das Therapiekonzept beeinflussen. Das Spektrum der Bandverletzungen ist sehr groß. Zu unterscheiden sind akute und chronische Verletzungen, die jeweils unterschiedliche Therapiestrategien erfordern. Gerade die komplexen Kniebandverletzungen machen ein sehr individuelles und differenziertes Vorgehen erforderlich.

Die schwerwiegendste Verletzung ist das Ausrenken des Kniegelenkes, die sogenannte Knieluxation, welche meist durch Hoch-Energie-Traumata (z. B . Motorradunfälle) aber auch beim Sport auftreten können. Hierbei kommt es zu einem kompletten Verlust des Gelenkflächenkontakts zwischen Oberschenkel und Unterschenkel und in der Regel zu Verletzung mehrerer Bandstrukturen. Daher werden diese Verletzungen als Multiligamentäre Kniegelenkverletzungen bezeichnet. Da hierbei Begleitverletzungen an Menisci, Knochen, Nerven und Gefäßen auftreten können muss in der Akutphase eine ausgiebige Diagnostik erfolgen. Bei der Multiligamentären Kniegelenkverletzung ist in der Regel eine frühzeitige operative Maßnahme zur Versorgung der verletzten Strukturen erforderlich. Diese erfolgt in arthroskopischer oder offener bzw. kombinierter Technik durch Nähte oder Wiederanheftung (Refixation) bzw. bandplastischem Ersatz der verletzten Strukturen.

Bei weniger schwerwiegenden Bandverletzungen können je nach Verletzungsart- und Bandinstabilitätsgrad auch konservative (nicht-operative) Maßnahmen wie Schienenbehandlungen (Orthese) in der Akutphase und physiotherapeutische Übungen zur Steigerung der Stabilität und des Gleichgewichts, verbunden mit einer Kräftigung der Muskulatur so hilfreich sein, dass sich eine Operation erübrigt.

Bleibt trotz konservativer Maßnahmen die Instabilität bestehen kann mit dem Ziel einer Risikoreduktion von Folgeschäden an Menisci und Knorpel und zur Wiedererlangung des früheren Aktivitätslevels eine Bandrekonstruktion sinnvoll sein. Von Rekonstruktion oder Bandplastik spricht man beim Ersatz der fehlenden oder insuffizienten Struktur durch körpereigenes Sehnenmaterial. Die Rekonstruktion kann in einem arthroskopischen, offenen oder kombinierten Operationsverfahren durchgeführt werden. Ziel der rekonstruktiven Operation ist die bestmögliche Wiederherstellung der originären Anatomie, um die Gelenkstabilität und Funktion in sämtlichen Bewegungsgraden zu ermöglichen.

Die Insuffizienz der Kreuzbänder wird durch arthroskopische Ersatzplastiken mit köpereigenen Sehnentransplantaten (z.B. Hamstrings, Patellarsehne, Quadricepssehne) behandelt.

Bei symptomatischen chronischen Instabilitäten der Seitenbänder haben sich rekonstruktive Stabilisierungsverfahren etabliert, die ebenfalls mit köpereigenen Sehnen (Hamstrings) durchgeführt werden. Hierbei werden stark lädierte Bänder der ursprünglichen Anatomie entsprechend durch Sehnen ersetzt (Rekonstruktion) bzw. verstärkt (Augmentation). Neben körpereigenem Gewebe können bei einer Bandrekonstruktion auch Gewebe aus der Gewebebank sowie synthetischen Materialien zum Einsatz kommen. Um eine dauerhaft stabile Gelenkführung zu gewährleisten, werden die Ersatzsehnen durch Bohrkanäle in den Knochen eingezogen und dort verankert. Bei komplexen chronischen Kniebandverletzungen sind häufig aufwendige Kombinationseingriffe (Kreuzbänder und Seitenbänder) erforderlich.

 Nachbehandlung

Die Nachbehandlung ist abhängig vom gewählten Therapieverfahren, erfolgt stets in Absprache mit dem Arzt und wird von physiotherapeutischen Maßnahmen begleitet. In Abhängigkeit der verletzten Strukturen wird für mindestens 6 Wochen eine bewegliche oder steife Knieschiene angelegt. In der Regel erfolgt initial eine passive gelenkmobilisierende Übungsphase mit anschließender Mobilisation und schmerzadaptierter Belastungssteigerung. Die Wiederaufnahme von Kontaktsport kann im Durchschnitt nach 6-12 Monaten postoperativ nach vollständigem Wiedererlangen der muskulären und koordinativen Fähigkeiten erfolgen. Joggen in der Ebene oder Radfahren ist bereits früher möglich.

 Unsere Leistungen

- gezielte radiologische Untersuchungsverfahren zur Diagnosesicherung mit Röntgen-, MRT-, ggf. CT-Diagnostik
- multimodale konservative Therapiekonzepte mit physio- und schmerztherapeutischen Maßnahmen
- umfassende Erfahrung mit minimalinvasiven, arthroskopischen und auch offenen Operationsverfahren
- ein Höchstmaß an Sicherheit für unsere Patienten durch die Nutzung modernster Technik
- und: ein erfahrenes und qualifiziertes Behandlungsteam bestehend aus den Chirurgen unserer Fachabteilung sowie den Anästhesisten und Fachpflegekräften sowie Therapeuten der BG Unfallklinik

  Chefarzt

Dr. med. Frederic Welsch

Sekretariat :
Sandra Rodriguez Lombardo, Helga Junker, Michelle Jäger

  069 475-2121   069 475-2192 sportorthopaedie@bgu-frankfurt.de