Übung für den Ernstfall

Ein Team unserer Unfallklinik versorgte am 6. Oktober 2011 bei einer Übung mehr als ein Dutzend Opfer. Um 15.30 Uhr erging der (simulierte) Anruf der Feuerwehr-Leitstelle in der BGU: In Frankfurt wurden bei einem Chemieunfall möglicherweise mehrere Menschen mit einer ätzenden Silbernitrat-Lösung kontaminiert. Die Substanz, mit der die vermeintlichen Patienten in Berührung gekommen waren, hatte eine reizende bis ätzende Wirkung und sorgte bei ihnen für brennende Augen, Juck- und Hustenreiz und verätzte Haut.

Bild von der Ankunft des Rettungswagens
Bild vom Transport eines Patienten

Kurz darauf wurden fünf Patienten liegend per Rettungswagen auf das Klinikgelände gebracht, zehn kamen zu Fuß als so genannte Selbsteinweiser. Unser Team sperrte schnell das Gelände und baute ein Zelt auf, denn die Opfer durften im kontaminierten Zustand die Unfallklinik zunächst nicht betreten. Nachdem die Helfer ihre Schutzanzüge angelegt hatten, begannen sie damit, die nach und nach eintreffenden Patienten im Zelt zu sichten, um sie anschließend in einem speziellen Raum nach speziellen Verfahrensweisen 8 bis 15 Minuten lang abzuduschen und so zu dekontaminieren. Im Ernstfall würden dann alle Textilien, die mit den kontaminierten Personen in Berührung gekommenen sind, verbrannt werden.

Bei der Übung wurde die Versorgung von kontaminierten Patienten durchgespielt, die Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt der Stadt Frankfurt getestet, die genaue Verfahrensweise bei Chemieunfällen trainiert und das Ganze von Übungsbeobachtern kontrolliert. Denn im Fall eines echten Chemieunfalls gilt es viele Vorschriften zu beachten, die Abläufe sind streng festgelegt.

Patientin wird abgeduscht.

Nach einem größeren Chemieunfall im Jahr 2007 im Stadtteil Fechenheim beschloss die Stadt Frankfurt, alle Kliniken mit speziellen Notausrüstungen auszustatten und ein Notfallkonzept zu erarbeiten. Bis Mitte 2013 sollen alle Frankfurter Krankenhäuser für einen möglichen Chemienotfall gerüstet sein und auch mit Selbsteinweisern, auf die sie nicht über die Rettungsdienste vorbereitet wurden, routiniert umgehen können. Wenn alle Kliniken gerüstet seien, könnten im Notfall in der ganzen Stadt bis zu 400 Menschen mit Chemieverletzungen versorgt werden.

In der BGU rüsten wir uns nach dem Bethanien- und dem Markus-Krankenhaus als dritte Frankfurter Klinik für einen möglichen Chemienotfall. Die Übung stieß auf sehr großes Medieninteresse und verlief zur Zufriedenheit aller ruhig und sehr gut.

Bilder zur Chemieunfall-Übung als Bildergalerie

Die Trage wird für die verletzten Patienten bereit gestellt.
Der Patientin wird auf die Trage geholfen.
Dr. I. Bierwagen (Oberarzt der Abteilung für BG-Heilverfahrenssteuerung und Rehabilitation) und J. Muhs (vom Pflegedienst der Notfallambulanz) duschen die verletzte Patientin auf der Trage.
Patientin wird liegend abgeduscht.
Nach der Dekontamination wird die Patientin weiter versorgt.