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Engpass Antibiotika - BG Unfallklinik Frankfurt setzt sich für alternative Therapien ein

Vor einigen Wochen wurde bekannt, dass das Antibiotikum Piperacillin/Tazobactam kurz und mittelfristig nicht mehr lieferbar sein wird, bedingt durch den Ausfall der zentralen Produktionsstätte in China.

„Piperacillin/Tazobactam ist eines der zentralen Antibiotika für die Therapie schwerer und schwerster Infektionen bei Risikopatienten. Es ist zudem als Breitspektrumpenicillin mit relativ geringem Selektionsdruck ein wesentlicher Pfeiler zur Vermeidung von Multiresi­stenzen im Rahmen von ABS-Maßnahmen“ betont Dr. Rolf Teßmann, Chefarzt für Anästhesiologie an der BG Unfallklinik Frankfurt am Main und Leiter der Arbeitsgruppe Antibiotic Stewardship des MRE-Netz Rhein-Main. „Ein Mangel an diesem Medikament bedroht deshalb zentrale Strategien des Antibiotic Stewardship in Einrichtungen der klinischen Krankenversorgung, wenn andere, wesentlich stärker resistenzfördernde Antibiotika stattdessen eingesetzt werden müssen“.

Auf einer Dringlichkeitssitzung der von Dr. Teßmann im vergangenen Jahr gegründeten Arbeits­gruppe Antibiotic Stewardship im MRE-Netz Rhein-Main wurden die möglichen Auswirkungen dieses Lieferengpasses diskutiert, weitere Recherchen eingeleitet, eine Stellungnahme der Arbeitsgruppe erstellt und mehrheitlich konsentiert. Diese Empfehlung, die für unterschiedlich schwere Infektionen verschiedene Alternativ-Vorschläge enthält, aber auch deren Grenzen darlegt, ist im Wortlaut auf der Internetseite des MRE-Netz Rhein-Main www.mre-rhein-main.de/aktuelles  und der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik www.bgu-frankfurt.de/abs eingestellt und damit für andere Kliniken und Ärzte nutzbar.

„Ziel unserer pragmatischen Empfehlung ist die optimale Versorgung des einzelnen Patienten, ohne sofortiges Ausweichen auf andere sehr stark resistenz-fördernde Breitbandantibiotika. Um weitere Resistenzen möglichst zu vermeiden, haben wir zunächst auf Penicilline fokussierte Alternativen zusammen­gestellt“ berichtet Dr. Teßmann und weist darauf hin: „Darüber hinaus zeigt dieser Fall einmal mehr die Bedeutung einer guten mikrobiologischen Diagnostik in den Kliniken, denn nur auf Grundlage der hauseigenen Resistenzen kann – bevor das individuelle Ergebnis der mikrobiologischen Diagnostik vorliegt - eine auf die Resistenzsituation im jeweiligen Haus „maßgeschneiderte“ sogenannte „kalkulierte Therapie“ eingeleitet werden“.

„Selbstverständlich entlässt diese Empfehlung  die behandelnden Ärzte nicht aus ihrer individuellen Verantwortung für ihren Patienten, aber ich freue mich, dass die Arbeits­gruppe unseres Netzwerks hiermit rasch und unbürokratisch eine konsentierte Hilfestellung für viele – sicher nicht alle - Fälle  bereitgestellt hat und danke den Arbeitsgruppenmit­gliedern für ihre wertvolle Arbeit“, so die Vorsitzende des MRE-Netz Rhein-Main, Prof. Dr. Ursel Heudorf.

  Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Rita Krötz

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