Patientensicherheit

Patientensicherheit in der BG Unfallklinik

Um unser gemeinsames Ziel einer schadens- und fehlerfreien ärztlichen Behandlung und medizinischen Gesundheitsversorgung sicherzustellen, arbeiten Mitarbeiter unterschiedlicher Abteilungen eng zusammen. Dabei geht es darum, Schwachstellen aufzudecken, unsichere Arbeitsprozesse zu verbessern und die Patientensicherheit zu gewährleisten. Wir haben dafür eine Vielzahl von Maßnahmen und Strukturen in unserer Klinik etabliert:

 MRSA-Screening

In der BG Unfallklinik werden, wie in den Niederlanden, nicht nur alle Risikopatienten auf MRSA getestet, sondern darüber hinaus alle Notfallpatienten und elektiven Patienten. Bisher besteht hierzu noch keine Verpflichtung von Seiten der Krankenhäuser.

Für den Umgang mit Trägern dieser Keime gibt es an der BG Unfallklinik strenge Hygienevorschriften, die ständig überprüft werden. Darüber hinaus übernimmt unsere Klinik eine Vorreiterrolle, was die Umsetzung des sogenannten „Antibiotic Stewardship“ (kurz: ABS)-Programms für Krankenhäuser anbelangt. Das ABS-Programm sieht vor, die Qualität der Verordnung von Antibiotika bzw. die Auswahl der Substanzen, Dosierung, die Applikation und die Anwendungsdauer kontinuierlich zu verbessern, um beste klinische Behandlungsergebnisse und eine minimierte Resistenzentwicklung zu erreichen.

 Patientenarmbänder

Das Identifikationsarmband ist eine vom Aktionsbündnis Patientensicherheit (APS) empfohlene Maßnahme, um den „Identifikationsprozess technisch zu unterstützen“ und bei uns fester Bestandteil im stationären Aufenthalt. So sollen Verwechslungen bei der Behandlung ausgeschlossen und der Klinikaufenthalt sicherer gestaltet werden.

Die Angaben auf dem Armband umfassen neben den Stammdaten des Patienten (Name, Geburtsdatum, Geschlecht) dessen Fallnummer, das Aufnahmedatum sowie die zuständige Station im Haus und sind in dieser Kombination unverwechselbar. Insbesondere bei Patienten, die nicht ansprechbar sind (z. B. auf Grund von Narkosemitteln) oder keine Auskunft geben können, ist das Armband für die behandelnden Pflegekräfte und Ärzte ein zusätzliches Sicherheitsmerkmal bei der Identitätskontrolle.

 Zur Hygiene an der BG Unfallklinik

Darüber hinaus nehmen wir seit über 10 Jahren als Referenzklinik an der beim NRZ (nationalen Referenzzentrum für Surveillance von nosokomialen Infektionen am Institut für Hygiene und Umweltmedizin der Charité - Universitätsmedizin Berlin) angesiedelten KISS-Erfassung (KISS = Krankenhaus - Infektions-Surveillance-System) teil. Hier werden bundesweit Resistenz- und Infektionsraten und -daten gesammelt, die der Planung von Maßnahmen zur Senkung der Infektionsrate im Krankenhaus dienen und auch in die gesetzlichen Regelungen Eingang finden.
So wird in der Notfallambulanz bei definierten Risikogruppen ein MRSA-Screening durchgeführt.

Eine Übertragung von Erregern findet in den meisten Fällen durch direkten körperlichen Kontakt statt. Deshalb ist die Händedesinfektion auch die wirksamste Maßnahme, um eine Übertragung der Erreger zu vermeiden: Seit 2008 beteiligen wir uns aktiv an der bundesweiten »Aktion Saubere Hände«. 2013 und 2015 erhielten wir vom MRE-Netzwerk Rhein-Main (MultiResistente Erreger) das Siegel für herausragendes hygienisches Engagement vom Gesundheitsamt Frankfurt am Main. Unser umfangreiches Hygienemanagement wird mit knapp 20 Hygienebeauftragten in allen Bereichen umgesetzt.

Voraussetzungen für eine erfolgreiche Krankenhaushygiene sind standardisierte Arbeitsabläufe und Verfahrensweisen. Dabei gilt es, die gesetzlichen Vorgaben und Empfehlungen einzuhalten und die Praktikabilität der Maßnahmen zu gewährleisten. Nur Personal, das die Notwendigkeit sinnvoller Hygienemaßnahmen versteht, kann das Verhalten entsprechend umsetzen.

Umfangreiche Infos zur Hygiene in der BG Unfallklinik »

 Maßnahmen im OP

Das »Team Time Out« wurde als ein fester Bestandteil im täglichen Operationsablauf eingeführt. Dazu wurde eine von der Weltgesundheitsorganisation WHO empfohlene Sicherheitscheckliste entworfen, die zur standardisierten Abfrage der Identität des Patienten, der Diagnose, des Eingriffsorts (unter Berücksichtigung der Seite) und der geplanten Art des Eingriffs dient und vom behandelnden Arzt vor der Operation auszufüllen ist. Die benötigten Implantate, Instrumentarien und deren Sicherheitscheck werden hier ebenso mit abgefragt wie mögliche Allergie-, Aspirations- und Intubationsrisiken des Patienten. Nach jedem Eingriff führen die Pflegekräfte im OP eine Zählkontrolle aller Tupfer und Instrumente durch.

 Antibiotic Stewardship - ABS an der BG Unfallklinik

Die Verordnungsdichte und –qualität von Antibiotika spielt bei der Entstehung von Antibiotikaresistenzen eine wesentliche Rolle. Insbesondere durch den intensiven und teilweise ungezielten Einsatz von sogenannten Breitspektrumantibiotika in der Tiermast, im ambulanten aber auch im stationären Bereich entwickeln Bakterien zunehmend Multiresistenzen gegen diese Therapeutika.

Wichtiges Ziel, den rationalen Umgang mit Antibiotika im Krankenhaus sicherzustellen, ist die Verfügbarkeit eines Teams von speziell fortgebildeten ABS-Experten (ABS = Antibiotic Stewardship) und Therapeuten am Patientenbett. Die multidisziplinäre ABS-Kommission unserer Klinik stellt darüber hinaus sicher, dass Daten des Antibiotikaverbrauchs gesammelt und unter Berücksichtigung der lokalen Resistenzsituation bewertet und sachgerechte Schlussfolgerungen gezogen werden. Weiterhin stellt sie sicher, dass diese dem Personal mitgeteilt und von diesem auch umgesetzt werden. Das Team und die Kommission werden in der BG Unfallklinik von Chefarzt Dr. Rolf Teßmann geleitet.

Ziel unserer ABS-Struktur ist es, die Qualität der Verordnung von Antibiotika, bzw. die Auswahl der Substanzen, Dosierung, die Applikation und die Anwendungsdauer kontinuierlich zu verbessern. So können beste klinische Behandlungsergebnisse unter Beachtung einer Minimierung der Toxizität für Patienten sowie der Resistenzentwicklung erreicht werden.

Weitere Infos zum Thema Antibiotic Stewardship »

 Steigerung der Patientensicherheit durch Patient Blood Management (PBM)

„Patient Blood Management“ (PBM) ist eine klinische Strategie, welche die Minimierung von Blutverlusten, das Erkennen und die Behandlung einer Blutarmut (Anämie) und die Erhöhung der Anämietoleranz beinhaltet. Im Fokus stehen dabei die Patientensicherheit und ein rationaler Umgang mit der kostbaren Ressource Blut. Die Gestaltung und Einführung des PBM erfolgt in unserer Klinik durch ein interdisziplinäres Team, das die Versorgungsstrukturen genau analysiert und optimiert, um Ressourcen des Patienten zu schonen und zu stärken.

 Critical Incident Reporting System

Wir arbeiten mit einem anonymen, freiwilligen Meldesystem zur Erfassung von Beinahe-Vorkommnissen - dem sogenannten „Critical Incident Reporting System“ (CIRS). Das System wird von unserer speziell ausgebildeten Qualitätsmanagementbeauftragten betreut, die die Arbeit der Kommissionen und Qualitätszirkel koordiniert.

Jeder Mitarbeiter, der direkt oder indirekt an der Patientenversorgung beteiligt ist, hat im CIRS die Möglichkeit, Vorkommnisse anonym zu melden, die beinahe zu einem Schaden geführt haben. Das CIRS ist ein Instrument des klinischen Risikomanagementsystems, das unter anderem auch die Bereiche Arbeitssicherheit, Hygiene und Notfallmanagement umfasst.
Die Auswertung der Daten, die Bearbeitung durch interne Experten sowie die Umsetzung von Maßnahmen hilft, aus Beinahe-Fehlern zu lernen, Patientensicherheit zu gewährleisten und die Sicherheit von Prozessen und Abläufen stetig zu verbessern. Der Einsatz von CIRS hat sich seit seiner Einführung an unserer Klinik im Jahr 2012 bereits hervorragend bewährt.

Weitere Infos zu unserem Risikomanagement »

 Wissen zu sicherheitsrelevanten Themen gemeinsam nutzen

Zu sicherheitsrelevanten Themen wie Herz-Kreislauf-Wiederbelebung, Umgang mit Medizinprodukten, Hygiene, Arbeitssicherheit, Datenschutz, Katastrophen- und Notfallmanagement, um nur einige zu nennen, finden regelmäßig Pflichtschulungen statt. 

Zudem unterstützen uns benannte und geschulte Mitarbeiter, die z. B. Hygienebeauftragte, Medizinproduktebeauftragte oder Sicherheitsbeauftragte sind.

Im Bereich der Arbeitssicherheit lassen wir uns durch externe Experten unterstützen. Hier finden regelmäßig Gefährdungsbeurteilungen und Sicherheitsbegehungen statt, um unseren Mitarbeitern ein sicheres Arbeitsumfeld zu bieten und bei Fragen beratend zur Verfügung zu stehen. 

 Konferenzen

In regelmäßig stattfindenden Konferenzen wird über komplizierte und kritische Verläufe in der Patientenversorgung mit allen an der Behandlung beteiligten Berufsgruppen gesprochen. Hierzu treffen sich die Mitarbeiter ca. alle zwei bis drei Monate. Von einem ärztlichen Kollegen wird ein Verlauf vorgestellt. Anschließend wird gemeinsam erarbeitet, was man lernen und was gegebenenfalls an den Prozessen verbessert werden kann.