Rotatorenmanschettenläsion - Symptome und Ursachen

Als Rotatorenmanschette bezeichnet man die innere Muskelgruppe am Schultergelenk, bestehend aus vier Muskeln, die allesamt am Schulterblatt entspringen und als flächige Sehnen mit dem Oberarmkopf und der Gelenkkapsel verbunden sind. Ihre Aufgabe besteht vorwiegend in der Zentrierung und damit Stabilisierung des Oberarmkopfes in der verhältnismäßig kleinen Schultergelenkpfanne. Daneben sorgt sie für die Innen- und Außenrotation sowie das Abspreizen des Arms vom Körper. Im Zusammenspiel mit der äußeren Muskelgruppe (Deltoideus oder schlicht „Delta“ genannt), ist sie die Basis für eine sichere und effektive Bewegung im Schultergelenk.

Die sogenannte Rotatorenmanschettenläsion tritt als Verschleißerscheinung typischerweise bei Patienten ab dem 45. Lebensjahr auf. Es kann aber auch bei jüngeren Patienten zu unfallbedingten Verletzungen der Sehnenplatte kommen. Zudem weisen Überkopfsportler mit überphysiologischen Bewegungsausmaßen der Schulter Teileinrisse (Partialläsionen) aufgrund wiederholter Mikrotraumata auf, vorwiegend im hinteren oberen Rotatorenmanschettenbereich (PSI - Posterosuperiores Impingement).

Zu den Verletzungsbeschwerden zählen neben langsam zunehmenden oder subakut einsetzenden Schulter- und Druckschmerzen, oft auch starke nächtliche Schmerzen und die Unfähigkeit den Arm vom Körper abzuspreizen, ihn aktiv zu halten bzw. ihn im Alltag normal einzusetzen.

 Diagnostik, Therapie und Operationsverfahren

Eine eingehende Befragung und Untersuchung des Patienten und spezielle Tests können im Vergleich mit der gesunden Schulter in den meisten Fällen bereits entscheidende Hinweise auf eine Schädigung der Rotatorenmanschette und der damit einhergehenden Funktionseinschränkung einzelner Muskeln geben. Zur Diagnosesicherung stehen uns verschiedene bildgebende Untersuchungsverfahren zur Verfügung: Knöcherne Veränderungen, die zu einer Einengung des Gleitkanals der Rotatorenmanschette führen, können durch spezielle Röntgenbilder festgestellt werden. Als wichtigste Untersuchungsmethode zum Nachweis einer Schädigung der Sehne, gilt die Sonographie (Ultraschall), die für die Fragestellung einer operativen Therapie durch die Kernspintomografie ergänzt werden sollte.

Ohne Therapie kann eine eingerissene Sehne nicht heilen. In der Regel ist gerade bei jüngeren Patienten und Frischverletzten eine Operation zu empfehlen, um die Sehne wieder an den Knochen anzuheften und damit Funktion und Kraft wiederherzustellen. Auch die Entwicklung einer durch den Sehnenschaden hervorgerufene Arthrose (Knorpelverschleiß) des Schultergelenks kann so vermieden werden. Bei älteren Patienten kann häufig durch Schonung, Medikamente, physikalische und physiotherapeutische Behandlungen eine schmerzarme und ausreichende Funktion und Situation hergestellt werden.

Wenn eine nicht-operative (konservative) Behandlung die Beschwerden nicht lindert und eine inakzeptable schmerzhafte Bewegungseinschränkung verbleibt, kann eine Operation notwendig werden.

Abhängig vom Befund kommen verschiedene Operationsverfahren zum Einsatz: Eine OP zur Versorgung der Rotatorenmanschettenverletzung wird heute überwiegend minimalinvasiv d.h. arthroskopisch oder in „mini-offener“ Technik mit sehr gutem Erfolg durchgeführt. Die Vorteile der athroskopischen, minimalinvasiven OP-Technik liegen in der Verminderung der Verletzung und Minimierung möglicher Infektionsgefahren, der geringen Schmerzen nach der OP und vor allem in der besseren Rekonstruierbarkeit zurückgezogener Sehnen. Insbesondere verschiedene Fixationsmöglichkeiten (wie sogenannte Fadenanker aus Titan oder auch bioauflösbarem Material) für die abgerissenen Sehnen am Knochen ermöglichen eine individuell geeignete Reparatur. Somit wird eine Rekonstruktion des Sehnenansatzes am Oberarmknochen ermöglicht.

Auch Verletzungen inmitten der Sehnen können entsprechend der Größe und Ausdehnung arthroskopisch therapiert werden. Zudem ist eine arthroskopische Behandlung der Begleitverletzungen, z. B. der langen Bicepssehne oder von Entzündungsreaktionen, möglich.

Dank neuer Erkenntnisse über die Anatomie der Sehneneinstrahlung am Knochen, werden Rotatorenmanschetten-Rekonstruktionen heute anatomiegerecht in der sogenannten Zweireihentechnik (double row) durchgeführt. Der Sehnenansatz wird dabei an seinem knöchernen Ursprung durch spezielle Nahttechniken flächig für eine anatomische Einheilung angeheftet.

Auch ein knöcherner Engpass kann durch arthroskopisches Abtragen der einengenden Knochen beseitigt werden.

Trotz sich immer weiter entwickelnder Operations- und Fixationstechniken mit guten primären biomechanischen Eigenschaften kommt es mit zunehmender Zahl von operativen Rekonstruktionen der Rotatorenmanschette an der Schulter in einem nicht unwesentlichen Anteil zu erneuten Rissen (bis zu 94%), auch wenn diese häufig klinisch nicht augenscheinlich sind. Obwohl die Ursache des Versagens ein multifaktorielles Geschehen darstellt, scheint der Heilungsbiologie ein bedeutender Einfluss zuzukommen. Für den Revisionsfall gilt, dass neben dem Vorhandensein von Verwachsungen und Fremdmaterialien insbesondere durch die meist erheblich eingeschränkte Gewebequalität die Komplexität des Eingriffs im Vergleich zum Primäreingriff steigt und hierdurch die Ergebnisse schlechter sind als beim Primäreingriff. Zahlreiche experimentelle Ansätze wurden entwickelt, um die Sehnenheilung positiv zu beeinflussen (healing enhancement). Einen Ansatz stellen Augmentationsverfahren zur Verbesserung der Heilungsbedingungen dar. Therapieziele bei der Gewebetransplantation sind die biomechechanische Entlastung des Konstrukts und die Verbesserung der biologischen Heilung der Sehne. Nach initial offen durchgeführter Technik für das Aufnähen dieser sog. Scaffolds wurden neuerdings auch arthroskopische Techniken vorgestellt. Im eigenen Vorgehen wenden wir zur Sehnenaugmentation an der Rotatorenmanschette einen Patch aus Hautgewebe vom Schwein (Reinforcement Matrix) an. Es handelt sich hierbei um eine 3-D-Gerüststuktur, welche Matrixkomponenten wie Kollagen, Elastin, Glykoproteine, Glykosaminoglykane und Proteoglykane enthält. Hierdurch besteht einerseits eine hohe Festigkeit und durch die poröse Struktur die Möglichkeit des Einwachsens körpereigener Zellen.

Ist das Zusammenführen der Muskeln aufgrund der Verletzungsstärke operativ nicht möglich, kommen andere Methoden wie Muskel-Transferoperationen zum Einsatz. Um die Aufgaben des Schultergürtels zu übernehmen, können z.B. Anteile des breiten Rückenmuskels in den Schulterbereich mit eingebracht (Latissimus dorsi Transfer).

Ein neuer minimalinvasiver Ansatz zur Schmerzreduktion und Funktionsverbesserung bei nicht reparabler Verletzung der Rotatorenmanschette ist das arthroskopische Einbringen eines kleinen bioresorbierbaren Wasserkissens (sog. inspace ballon) als Platzhalter unter dem Schulterdach ein.

Besteht bereits gleichzeitig zur Rotatorenmanschettenverletzung eine Arthrose kann es sinnvoll sein, ein künstliches Schultergelenk (sog. inverse Prothese) zu implantieren. 

 Nachbehandlung

Der Klinikaufenthalt ist abhängig vom Verletzungsausmaß und liegt im Durchschnitt bei arthroskopischen Operationsmethoden bei ca. 2-3 Tagen. Da die Sehnen der Rotatorenmanschette nur gering durchblutet sind, heilen sie entsprechend langsam wieder ein. Daher ist nach einer OP zunächst eine konsequente Lagerung der Schulter in speziellen Schulterkissen (Orthesen) in der Regel für 4 bis 6 Wochen unumgänglich. Um eine optimale Beweglichkeit zu erhalten, beginnen Physiotherapeuten mit den Patienten bereits am Tage nach der Operation mit passiven Übungen, die vom Operateur in einem Nachbehandlungsplan festgelegt wurden.

 Unsere Leistungen
  • Behandlungskonzepte auf internationalen Standards
  • Viel Erfahrung mit neuen, arthroskopischen oder offenen Operationsmethoden
  • Eine Vielzahl verschiedener Implantate und Instrumentarien, die jederzeit, auch kurzfristig, einen Verfahrenswechsel zum Erreichen des optimalen OP-Ergebnisses ermöglichen
  • Hochmoderner OP-Trakt mit 3-D–Bildverstärker
  • Unser Team aus hervorragend ausgebildeten Chirurgen, Anästhesisten und Fachpflegekräften, Physiotherapeuten und Schmerztherapeuten verfügt über langjährige Erfahrung mit konservativen und operativen Behandlungsmöglichkeiten.

  Chefarzt

Dr. med. Frederic Welsch

Sekretariat:
Aspasia Saduddin, Brigitte Mack

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