FAQ - Frequently Asked Questions

Dies ist eine Auswahl der häufig an uns gestellten Fragen, die wir in Zukunft regelmäßig ergänzen werden. Wir freuen uns deshalb über jede Anfrage und bitten Sie, eigene Unsicherheiten im Umgang mit der Osteomyelitis anzusprechen.

 Ich habe eine Osteomyelitis glücklich überstanden. Wie muss ich mich jetzt verhalten, um ein Rezidiv zu verhindern?

Leider gibt es keine Verhaltensmaßnahmen, die einen Rückfall zuverlässig verhindern können. Es existieren nur allgemeine Empfehlungen, die sich vorwiegend um Dingen drehen, die man besser nicht tun sollte. Dazu gehören rauchen, übermäßiger Alkohol- oder sonstiger Drogenkonsum. Die betroffene Gliedmaße sollte in Absprache mit ihrem Operateur belastet und regelmäßig beübt werden. Ziel ist die die Verbesserung der Durchblutungssituation und der Aufbau eines stabilen Muskel- und Weichteilmantels.

 Muss ich regelmäßig die Entzündungswerte im Blut kontrollieren lassen?

Zur Verlaufskontrolle postoperativ dient derzeit hauptsächlich die Bestimmung des C-reaktiven Proteins (CRP), eines unspezifischen Entzündungsmarkers, der auch bei anderen Infektionskrankheiten ansteigen kann. Wir empfehlen eine Kontrolle des CRP-Wertes nur dann, wenn auch entsprechende Beschwerden vorliegen, also wenn sich aufgrund der Symptome und des Untersuchungsbefundes der Verdacht auf ein Infektrezidiv ergibt. Unreflektierte Kontrollen in einem regelmäßigen drei- oder vierwöchigen Abstand ohne klinische Symptomatik sind nicht aussagefähig und abzulehnen.

 Wie ist die Heilkraft von sog. „natürlichen Antibiotika“ einzuschätzen? Sind sie eine Alternative zu „richtigen Antibiotika“, die ja doch oft erhebliche Nebenwirkungen haben?

Als „natürliche Antibiotika“ werden oft verschiedene Heilkräuter (z. B. Kamille, Arnika, Johanniskraut), aber auch Extrakte bestimmter Pflanzen wie Kresse, Meerrettich und Knoblauch bezeichnet. Diese Liste lässt sich lange fortsetzen. Gemeinsam ist allen diesen Heilpflanzen, dass ihre Wirkung strengen wissenschaftlichen Anforderungen nicht genügt. Ein positiver Einfluss auf den Verlauf einer Osteomyelitis ist nicht zu belegen. Im Falle eines Infektrezidives sollte man sich deshalb nie ausschließlich auf ihre Hilfe verlassen, sondern umgehend den Arzt seines Vertrauens konsultieren und gemeinsam mit ihm eine erfolgversprechende Behandlung, sei sie konservativ oder operativ, einleiten.

 Darf ich ins Schwimmbad?

Sobald alle Wunden trocken verheilt und die Weichteile verschlossen sind, ist auch ein Schwimmbadbesuch möglich. Die Verwendung von sogenannten wasserdichten Klebepflastern empfehlen wir allerdings eher nicht, da diese Verbände unzuverlässig sind. Im Übrigen ist Schwimmen in vielen Fällen eine sehr geeignete Sportart, um die Muskulatur und Knochen wieder aufzubauen.

 Darf ich in die Sauna?

Im Prinzip gilt hier das Gleiche wie für Besuche des Schwimmbads. Saunen ist grundsätzlich möglich, die Wunden sollten jedoch geschlossen sein und keine akute Infektion mehr vorliegen.

 Stärkt Infrarotlicht meine Abwehr oder aktiviert es eher „schlummernde Keime“ und führt damit zu einem Infektrezidiv?

Unseres Wissens gibt es derzeit noch keine gesicherten Erkenntnisse zur Wirkung von Infrarotlicht auf den Verlauf einer Osteomyelitis. Aus mehreren Gründen scheint sich ein positiver Einfluss von wassergefiltertem Infrarotlicht (wIRA) abzuzeichnen, hier sind jedoch noch weitere Untersuchungen erforderlich, die derzeit u. a. auch in unserer Abteilung durchgeführt werden.

 Wie ist die Wirkung von Magnetfeldern und Ultraschall auf die Knochenheilung einzuschätzen?

Mehrere Untersuchungen belegen einen positiven Effekt sowohl von Magnetfeldern als auch Ultraschall in einem gewissen Frequenzbereich. In unserer Abteilung werden diese Maßnahmen zur Unterstützung der Knochenbruchheilung gelegentlich eingesetzt. Die Ergebnisse waren oft, aber nicht in jedem Fall, gut. Einen negativen Einfluss konnten wir bei keinem Patienten feststellen. Allerdings fehlen auch hier wissenschaftlich einwandfrei durchgeführte, kontrollierte randomisierte Studien. Ist die Knochenheilung infolge einer mangelhaften chirurgischen Versorgung oder schlechten Durchblutung gestört, so ist auch von Magnetfeldern und Ultraschall keine Besserung zu erwarten.

 Verbreitet die Anwendung von Lymphdrainagen die Keime in meinem Körper?

Eine korrekt durchgeführte Lymphdrainagetherapie führt in fast allen Fällen zu einem deutlichen Rückgang der Weichteilschwellung im Sinne einer Reduzierung des Gewebeödems. Dadurch kommt es über verschiedene Faktoren zu einer Verbesserung der Wund- und Knochenheilung. Die früher geübte Zurückhaltung bei offenen und infizierten Wunden lässt sich heute in der Regel nicht mehr vertreten. Auch dann ist durch eine gezielte Anwendung eine Verbesserung des Lymphabflusses und somit eine Förderung der Wundheilung zu erreichen. Nur im Falle einer akuten diffusen Weichteilentzündung oder eines unbehandelten Abszesses sind Lymphdrainagen kontraindiziert.

 Welche sportlichen Aktivitäten sollte man meiden?

Grundsätzlich gibt es keine Sportarten, die nach einer erfolgreich therapierten und beruhigten Osteomyelitis zu meiden sind. Handelt es sich allerdings um eine Defektheilung, d. h. ist der Knochen anhaltend durch einen Substanzverlust oder eine unvollständige Knochenbruchheilung geschwächt, können gewisse Beschränkungen geboten sein. Diese kann man jedoch nicht generell formulieren, die Belastungsfähigkeit muss individuell festgelegt werden. Dazu ist am ehesten der behandelnde Arzt bzw. Operateur in der Lage.

 Was ist bei Fernreisen zu beachten? Dürfen sie überhaupt noch unternommen werden? Sollte man zuvor eine Antibiotikaprophylaxe betreiben oder sich fachärztlich untersuchen lassen?

Diese Fragen können nicht allgemein verbindlich beantwortet werden, sondern es muss immer eine individuelle Lösung gefunden werden. Natürlich sollte man nicht mit einer akuten Osteomyelitis oder mit einem akuten Schub einer chronischen Knochenentzündung Fernreisen unternehmen. Auf diese Idee wird aber normalerweise auch kaum ein Patient kommen, da er sich in dieser Situation krank und behandlungsbedürftig fühlt. Andererseits gibt es etliche Patienten, die seit langer Zeit an einer chronischen Osteomyelitis leiden, unter Umständen auch mit einer Fisteleiterung, deren Zustand jedoch stabil ist und die sich an ihre Erkrankung gewöhnt haben. Für sie ist es selbstverständlich, auch längere Urlaubsreisen anzutreten. Erst recht gibt es keine medizinischen Einwände gegen Fernreisen bei Patienten mit einer beruhigten Osteomyelitis.

Eine prophylaktische Antibiotikaeinnahme vor Antritt der Reise ist nicht sinnvoll, da die Gefahr eines Rezidives damit nicht abgesenkt werden kann. Eine fachärztliche Untersuchung vor einem längeren Auslandsaufenthalt insbesondere in anderen Klimazonen ist generell zu befürworten, insbesondere beim Vorliegen chronischer Erkrankungen. Bei spezifischen Beschwerden ist dies sogar unbedingt zu empfehlen.

Die eigene Erfahrung mit der Behandlung von durchreisenden Patienten zeigt, dass es hilfreich ist, wenn diese über ihre Krankheit informiert sind. Sie sollten also wissen, welche Verfahren oder Operationen bereits bei Ihnen angewendet wurden, ob spezielle Bakterien nachweisbar waren und welche Antibiotika sich als wirksam und verträglich erwiesen haben. Falls Sie sich die medizinischen Begriffe nicht merken können, erbitten Sie von Ihrem behandelnden Arzt eine Kopie seiner wichtigsten Berichte. Besser können Sie sich auch für eine längere Urlaubsreise nicht vorbereiten.

  Chefarzt

Dr. med. Gerhard Walter

Sekretariat:
Carmen Michel

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