Einfluss der Rückenmarksverletzung auf die Blase

Die Nieren halten den Flüssigkeitshaushalt des Körpers aufrecht und sorgen für die Ausscheidung von Abbauprodukten aus dem Körper. Der Urin wird durch die beiden Harnleiter zur Harnblase befördert. Der Blasenmuskel sammelt den Urin (Reservoirfunktion der Blase) bis zu einer gewissen Speichermenge und entleert die Blase ab einem gewissen Füllungsvolumen unausweichlich. Dabei zieht sich der Blasenmuskel zusammen und der Schließmuskel am Blasenhals, der ansonsten die Blase abdichtet, öffnet sich.

Dieser reflektorische und teilweise willkürliche Mechanismus ist bei der Lähmung in unterschiedlicher Weise je nach Lähmungshöhe gestört. Dies führt zu einer spastischen oder einer schlaffen Blasenfunktionsstörung.

Wird die funktionsgestörte Blase nicht regelmäßig entleert, können Blaseninfektionen entstehen, die unter Umständen schwere gesundheitliche Komplikationen nach sich ziehen. Ist die Blase überfüllt, kann es zu einem Rückstau in die Harnleiter und die Nieren kommen. Infektionen können bis ins Nierenbecken hochsteigen und Erkrankungen bis hin zum Nierenversagen bei chronischer Nierenschädigung hervorrufen.

Früherkennung und Behandlung sind daher sehr wichtig und regelmäßige urologische Routineuntersuchungen mit Urinproben – bei stabiler Situation in jährlichen Abständen - unerlässlich.

 Harnwegsinfektionen und Nierensteine

Ein chronischer Harnwegsinfekt kann ohne spürbare Symptome verlaufen. Der klinisch relevante Infekt äußert sich zum Beispiel durch eine plötzlich wieder auftretende Inkontinenz bei bis dahin stabiler Blasenfunktionsstörung. Fieber, vegetative Reaktionen Schwitzen und Kopfschmerzen, aber auch eine schmerzhafte Symptomatik des Bauchraumes können Anzeichen der Infektion sein sowie ein trüber und geruchsbelästigender und /oder blutverfärbter Urin. Die Muskelspastik ist gegebenenfalls erhöht, Schüttelfrost und ein allgemeines Krankheitsgefühl können weitere Folgen sein.

Bei den Anzeichen und Symptomen einer klinisch auffälligen Harnwegsinfektion sollten Sie diese behandeln lassen. Wiederholt auftretende Infekte des Urogenitalsystems begünstigen die Ausbildung von Blasen- und Nierensteinen. Die Frequenz der Steinbildung ist bei Menschen mit Querschnittlähmung erhöht. Zur frühzeitigen Erkennung von Nierensteinen sollte anlässlich der urologischen Kontrolluntersuchung einmal im Jahr eine Ultraschalluntersuchung (Sonografie) vorgenommen werden.

Um Harnwegsinfekte möglichst zu vermeiden, soll die Blase regelmäßig entleert werden.

 Neurogene Blasenstörungen

Bei einer Rückenmarksverletzung sind die Nervenbahnen unterbrochen, die eine Botschaft zum Gehirn leiten und diesem signalisieren, dass Wasser gelassen werden muss. Daher können Menschen mit Querschnittlähmung das Bedürfnis Wasser zu lassen wenig oder gar nicht bemerken und sind unfähig, ihre Blase zu entleeren oder den Urin einzuhalten. Man spricht dabei von einer neurogenen Blasenfunktionsstörung, die je nach Ausdehnung und Lage der Rückenmarkverletzung unterschiedlich ausfallen kann.

Dabei unterscheidet man zwei Arten:

1. Bei der sogenannten spastischen Blase zieht sich der Muskel, der für die Entleerung der Blase sorgt, bei bereits geringen Dehnungsreizen zusammen und sorgt für spontane mehrfache unkontrollierte Entleerung bereits geringer Mengen. Gleichzeitig ist die Gefahr eines Überdrucks in der Blase im normalerweise Niederdrucksystem gegeben. Dies gilt es zu vermeiden. Ziel der Behandlung dieser Funktionsstörung ist der Erhalt der Reservoirfunktion der Blase, Erzielen einer Kontinenz und die regelmäßige Entleerung über den sterilen intermittierenden Fremd- oder Selbstkatheterismus.

2. Bei der schlaffen Blasenfunktionsstörung, bei der sich der Blasenmuskel nicht zusammenziehen kann, muss die Überdehnung des Blasenmuskels vermieden werden und die möglicherweise ständige Inkontinenz bei tiefer Lähmung, die eine therapeutische Herausforderung darstellt.

 Physikalische Therapie und Rehabilitation

Die physikalischen Therapie und Rehabilitation der Blasenfunktionsstörung (aber auch Mastdarmfunktionsstörung) erfolgt durch außen applizierbare Stimulationsgeräte (ähnlich einem TENS) oder einer invasiveren S-3-Stimulation oder durch detrusorale BOTOX-Injektionen. Hierdurch wird unter der Anleitung von Phsyiotherapeuten ein spezielles Trainingsprogramm ermöglicht, das verloren gegangene Reflexe wieder antrainiert.

  Chefarzt

Dr. med. Oswald Marcus

Sekretariat :
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  Sozialdienst

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