Darmmanagement

Neben der Blasen- ist auch die Darmfunktion bei Menschen mit Querschnittlähmung gestört. Grund dafür ist die Unterbrechung der Nerven, die für die Regulierung der Darmtätigkeit zuständig sind. Davon ist sowohl die Muskulatur der Darmwand selber als auch die Muskulatur des Kontinenzapparates (innerer und äußerer Schließmuskel) betroffen. Damit sind gesundheitliche Risiken verbunden: extreme Verlängerung der Passagezeit des Stuhls durch den Darm, Bildung von Kotsteinen, Schmerzen und neurologische Symptome können die Folge sein. Darüber hinaus erschweren eine gestörte Darmfunktion und eine möglicherweise bestehende Stuhlinkontinenz und die damit verbundenen Unannehmlichkeiten und Ängste eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben erheblich.

Es gibt jedoch einige Faktoren, die sich auf Dauer positiv auf die Verdauung auswirken und so ermöglichen, ein Mehr an Selbstbestimmung und Unabhängigkeit wiederzuerlangen.

Das Abführen sollte in möglichst regelmäßigen Abständen (etwa alle zwei Tage) und zur gleichen Tageszeit erfolgen. Wenn der Körper diesen Rhythmus annimmt, verringert sich die Gefahr der unerwünschten Stuhlinkontinenz. Zur Vermeidung unkontrollierter Stuhlentleerungen sollte auf körperliche Anzeichen (Körperersatzzeichen wie z. B. Gänsehaut, Kopfschmerzen usw.) einer Enddarmfüllung geachtet werden. Durch die Einnahme von Medikamenten lässt sich die richtige Stuhlkonsistenz unterstützen. Anfangs werden Abführmittel notwendig sein. Eine dauerhafte Einnahme kann allerdings zu einem Gewöhnungseffekt führen und Ihren Darm belasten. Daher sollten Sie sobald wie möglich versuchen, auf mildere Mittel wie Stuhlweichmacher oder – noch milder - Klistiere (ohne Nebenwirkungen) zu wechseln.

 Einfluss von Lebensmitteln

Eine wohlausgewogene, ballaststoff- und faserreiche Ernährung mit Obst, Gemüse sowie Nüssen, Vollkornbrot und Getreide, Apfelsaft und viel Wasser (2 bis 3 Liter pro Tag) – insbesondere bei heißen Temperaturen – wirkt sich positiv auf Ihre Verdauung aus.

Abführend wirken in der Regel

  • Ballaststoffe wie bspw. Leinsamen, Vollkornprodukte und Weizenkleie mit ausreichender Flüssigkeit 
  • Früchte wie bspw. Kirschen, Zwetschgen, Rhabarber und Dörrobst
  • Milchprodukte wie bspw. kalte Milch, Buttermilch, Joghurt mit Getreide 
  • Kaffee, Bier, Weißwein, Most, Fruchtsaft, Karottensaft u. a. Getränke 
  • Öle, Fette und künstliche Süßstoffe

Verstopfend wirken in der Regel 

  • Früchte wie geraspelte Äpfel, Bananen 
  • Käse, Hüttenkäse und Joghurt und andere Milchprodukte 
  • Helles Brot, weißer Reis, 
  • Lang gezogener Schwarzer Tee, Kakao u. a. Getränke 
  • Mehlsuppen, Bouillons und Cremesuppen

Verzichten Sie – wenn nötig – auf blähende Nahrungsmittel wie Zwiebeln, Knoblauch, Schnittlauch, Kohl und Hülsenfrüchte.

 Anregung und Training der Darmtätigkeit

Die Erinnerung an die zeitlichen Gewohnheiten und Umstände Ihrer Darmtätigkeit in der Zeit vor Eintritt Lähmung sollte Ihnen bei der Planung und Umsetzung einer systematischen Darmentleerung helfen. Sie sollten die Zeit der Rehabilitation nutzen, um das selbstständige Darmentleeren zu erlernen und die für Sie wirksamste und auf Dauer schonendste Methode herauszufinden. Beobachten Sie sich selbst, nehmen Sie Ihre Darmgeräusche war und beobachten Sie, wann die Wirkung der Mittel einsetzt: Das ist dann in der Regel auch der beste Zeitpunkt zum Abführen.

 Das Abführen

Beginnen Sie damit etwa eine halbe Stunde bis Stunde nach den Mahlzeiten. Sie können dann vom Verdauungsreflex profitieren.

Direkt vor dem Abführen begünstigt ein heißes Getränk den Verdauungsvorgang und die Konsistenz Ihres Stuhls. Zur Einleitung der Entleerung des Enddarmes können verschiedene Methoden angewandt werden. Wenn dazu ein Zäpfchen benutzt wird, soll dieses aus hygienischen Gründen mit einem behandschuhten Finger eingeführt werden. Durch das Freisetzen von Co2 entsteht ein Dehnungsreiz des Enddarmes, der die Entleerung anstoßen soll. Zur Erleichterung kann zusätzlich Vaseline verwendet werden. Das Zäpfchen soll leicht befeuchtet sein.

Setzen Sie sich – wenn möglich - frühestens nach 5-10 Minuten Einwirkzeit auf einen abgepolsterten Toilettensitz oder einen gepolsterten Abführstuhl. Denn im Sitzen profitieren Sie von der Schwerkraft und der besonderen Beckenstellung und entlastet Ihr Gesäß. Entleeren Sie anschließend – während Sie Ihren Unterbauch massieren - Ihren Darm.

Bei vorhandenem Darmreflex wir dieser mithilfe des Reizes (dem Zäpfchen oder einem Finger) am After oder Enddarm ausgelöst. Lässt sich der Reflex nicht auslösen, kann der Darm durch Anspannung der Bauchmuskulatur oder mithilfe der Finger mechanisch geleert werden. Insbesondere bei Verstopfung (Obstipation), einer massiven Verfestigung des Kotes (Kotsteine) und/oder bei tief gelähmten Patienten ist das sogenannte digitale Ausräumen (lat. „digitus“ Finger) sinnvoll, um ganz sicher zu gehen, kontinent zu sein. Patienten mit einer Darmlähmung können nach Anleitung die digitale Ausräumung auch selbst durchführen.

 Mögliche Probleme

Im Bett sind die Bedingungen generell ungünstig. Wenn Sie sich an das Abführen im Bett gewöhnen, kann es passieren, dass Sie auf Dauer manuell ausgeräumt werden müssen. Wenn es dennoch notwendig sein sollte, legen Sie sich auf Ihre linke Seite und platzieren Sie eine plastikbeschichtete Inkontinenzunterlage zum Schutz der Bettwäsche unter Ihr Gesäß. Bettschüsseln führen zu Druckstellen.

Vermeiden Sie auch extremes Pressen, langes Sitzen auf dem WC, Verstopfung durch unausgewogene Ernährung und grobes Einführen von Klistieren bzw. grobes manuelles Ausräumen. So lassen sich u. a. Analfissuren, kleine Einrisse in der Analgegend, vermeiden.

Blutungen aus verstärkt gefüllten Enddarmvenen aufgrund veränderter Verhältnisse, sogenannte Hämorrhoiden, deren Ausbildung und Ausprägung durch Lähmungsbedingungen unterstützt können so oft vermieden werden.

  Chefarzt

Dr. med. Oswald Marcus

Sekretariat:
Ingrid Klose

  069 475-2317   069 475-2521   rueckenmarkverletzte@bgu-frankfurt.de

  Leiter Sozialdienst

Martin Schaller

  069 475-2793   martin.schaller@bgu-frankfurt.de

  Manfred Sauer Stiftung

Weitere Infos zum Thema Ernährung finden Sie über das Beratungszentrum für Ernährung und Verdauung Querschnittgelähmter der Manfred-Sauer-Stiftung  »

  Patienteninfobroschüre

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