Fachabteilung für Rückenmarkverletzte

Seit 1962 werden an der BG Unfallklinik Patienten mit einer unfallbedingt oder erkrankungsbedingt erworbenen Querschnittlähmung behandelt. Unser Behandlungsziel ist es, dass unsere Patienten unter Nutzung aller zur Verfügung stehenden Ressourcen eine größtmögliche Selbstständigkeit erreichen, mit Rückkehr in ihr privates Umfeld.

In unserer Abteilung für Rückenmarkverletzte bieten wir unseren Patienten ein umfassendes und ganzheitliches Behandlungskonzept — von der Akutbehandlung und Behandlungspflege über die neurologische, urologische und psychologische Betreuung und Rehabilitation bis hin zum Rollstuhltraining und der Einübung verschiedener Alltagsfertigkeiten in einer autarken Einliegerwohnung in unserer auf den Querschnitt spezialisierten physio-, sport- und ergotherapeutischen Abteilung.

Unsere teamorientierten Leistungen ruhen auf drei Säulen 

 Physiotherapie, Ergotherapie, Massage und Sporttherapie

Credo bei der akuten Erstbehandlung der Querschnittlähmung ist das Nebeneinander von Behandlungen zur Stabilisierung des Allgemeinzustandes und Vermeiden vitaler Komplikationen sowie der rehabilitativen Behandlung.

Physiotherapie

Wir legen bei gegebenen Voraussetzungen besonderen Wert auf die Lokomotionsbehandlung. Die Behandlung der Spastik erfolgt individuell angepasst, orientiert an der positiven Wirkung mit den Methoden nach Vojta, Bobath und der PNF-Therapie.
Dazu gehören:

  • Tägliches Durchbewegen 
  • Übungen zur Rumpfstabilität 
  • Kräftigung der funktionstüchtigen Muskulatur 
  • Übungen im Bewegungsbad und am Bewegungstrainer 
  • Einüben der Transferabläufe 
  • Rollstuhlfahrtraining

Ergotherapie

Ziel der ergotherapeutischen Behandlung ist es 

  • Einen größtmöglichen Grad an Selbständigkeit zu erreichen 
  • Je nach Lähmungshöhe eine Funktionshand auszubilden, Ersatzgriffe zu lernen und besondere individuell angepasste Hilfsmittel herzustellen, wie zum Beispiel Essklammern
  • Die Transferabläufe zu festigen
  • Die zur Verfügung stehenden Hilfsmittel zu erproben und anzupassen

Die zur Selbständigkeit erforderlichen Bewegungsabläufe wie das Wasch-, Anzieh-, und Esstraining werden erlernt. Wenn von dem Patienten eine volle Selbständigkeit nicht erreicht werden kann, ist es das Ziel der Behandlung, dass der Betroffene lernt, die notwendige Hilfestellung zu unterstützten. Teil der ergotherapeutischen Behandlung ist der Aufenthalt in der Übungswohnung und ein Stadttraining ( Nutzen öffentlicher Verkehrsmittel, Einkaufen ). Im Rahmen der Reintegration ist die Wohnraumanpassung Aufgabe der Ergotherapie.

Massage

  • Massage zur Lockerung von Muskelverspannungen 
  • Behandlung lagerungsbedingter und lähmungsbedingter Schmerzen des Schultergürtels und der Schulter-Nackenmuskulatur 
  • Behandlung von lymphogenen Schwellungen bei lähmungsbedingt fehlender Muskelpumpe 
  • Colonmassage zur Unterstützung der lähmungsbedingt beeinträchtigten Darmmotilität

Sporttherapie

  • Rollstuhlfahrtraining 
  • Rollstuhlsport 
  • Muskelaufbautraining
 Die richtige Pflege ist unerlässlich

Aufgabe der Pflege ist die Lagerung , Durchführung und Anleitung zur Körperpflege und Hygiene. Es ist in hohem Maße eine Behandlungspflege, die den Patienten im Ungang mit seinen Lähmungserscheinungen vertraut macht. Behandlungspflege heißt auch Hilfe beim Abhusten, Atemtraining mit dem CPAP-Gerät und regelmäßiges Absaugen, wenn nötig. Das Etablieren eines praktikablen Lagerungs- Blasen- und Darmmanagements ist eine Grundvoraussetzung zur Durchführung der Therapie in der Klinik und später, um das Maß an Selbständigkeit, welches in der Klinik erlernt wurde, in die Praxis umzusetzen und weiter auszubauen.

Je nach Lähmungshöhe wird eine frühzeitige logopädische Behandlung zur Verbesserung von Sprach- und Schluckstörungen angestrebt, insbesondere bei Vorhandensein eines Luftröhrenschnittes und Notwendigkeit, eine Kanüle zu tragen.

 Ärztliches Behandlungsangebot

Aufgaben der ärztlichen Behandlung sind

  • Die Erhaltung der Vitalfunktion 
  • Die Behandlung aller chirurgischer und internistischer Komplikationen 
  • Die Behandlung der lähmungstypischen Dysreflexie
  • Die regelmäßige urologische Betreuung mit dem Ziel, die Blasenfunktion soweit als möglich zu erhalten

Die Behandlung ist eng eingebunden in die therapeutischen Bemühungen aller am Behandlungsprozess beteiligter Personen. Es ist stets das Behandlungsteam gefragt. Daher findet einmal pro Woche eine gemeinsame Besprechung aller Behandler statt.

Vor Beginn des letzten Behandlungsdrittels findet in der Regel ein Familiengespräch statt. Zusammen mit dem Patienten, seinen Angehörigen, der Pflege, Ergotherapie, Physiotherapie, dem Krankenhaussozialdienst und den behandelnden Ärzten wird die Therapieplanung und Planung der Zeit nach der Entlassung besprochen.

Jedem Patienten, der erstmals mit der Diagnose einer Querschnittlähmung konfrontiert ist, wird psychotherapeutische Hilfe angeboten.

Als Traumazentrum versorgt und betreut unsere Klinik Wirbelsäulenverletzte vom Unfallort an. Über die operative stabilisierende Versorgung der Wirbelsäule sowie vorliegender Begleitverletzungen, über die intensivmedizinische Behandlung, von der komplexen Erstbehandlung bei Rückenmarkverletzung, bis hin zur späteren ambulanten Betreuung und Behandlung aller mit der Querschnittlähmung verbundenen Komplikationen, lebenslang.

 Interdisziplinäre Zusammenarbeit

In Zusammenarbeit mit der neurochirurgisch-neurotraumatologischen Abteilung werden alle modernen Verfahren der Wirbelsäulenchirurgie unter Verwendung der Neuronavigation und minimal invasiv endoskopischer Verfahren durchgeführt sowie zur Behandlung der Spastik und Schmerzen Medikamentenpumpen eingesetzt.

Plastisch-chirurgisch behandelt werden Druckstellen (Dekubitus) unter den Gesichtspunkten eines ganzheitlichen Behandlungsansatzes, der sowohl auf die operative und konservative Behandlung der akuten Komplikation abzielt, als auch auf die Entwicklung von Strategien zur Vermeidung des Wiederauftretens.

Wir führen funktionsverbessernde Eingriffe bei spastikbedingten Kontrakturen und Fehlstellungen durch, einschließlich operative Verbesserungen der Gelenkbeweglichkeit bei Weichgewebsverkalkungen (POA).

Wir bieten funktionsverbessernde Operationen der oberen Gliedmaßen im Rahmen der Rehabilitation bei hoher Querschnittlähmung (Tetraplegie) an.

In enger Zusammenarbeit mit der anästhesiologischen Abteilung erfolgen die Behandlung vitaler Komplikationen und die Schmerztherapie sowie die Betreuung beatmungspflichtiger Patienten - vorbereitend zur Heimbeatmung.

Vonseiten des neurologischen Fachgebietes erfolgt die fachärztliche Betreuung der Querschnittlähmung sowohl bei traumatischer Ursache, als auch bei Querschnittlähmungen, die mit dem neurologischen Fachgebiet verbunden sind. Es werden im Rahmen des Monitorings kontinuierlich alle erforderlichen neurophysiologischen Untersuchungen durch unser gut geschultes Personal durchgeführt.

Vonseiten des urologischen Fachgebietes erfolgen die regelmäßigen urodynamischen Messungen sowie die sonographischen Kontrolluntersuchungen, die medikamentöse Behandlung der Blasenfunktionsstörung inklusive der Botox-Behandlung der spastischen Blase.

Wir bieten unseren Patienten das Verfahren der externen Blasenstimulation an. Die Steinbehandlung erfolgt in Zusammenarbeit mit der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main inklusive der extrakorporalen Stoßwellentherapie.

  Chefarzt

Dr. med. Oswald Marcus

Sekretariat:
Ingrid Klose

  069 475-2317   069 475-2521   rueckenmarkverletzte@bgu-frankfurt.de

  Stationäre Aufnahme / Anmeldung, Fallmanagement

Martin Schaller

  069 475-2471   069 475-2472   martin.schaller@bgu-frankfurt.de

  Kontakt zur Rehaabteilung

Physiotherapie & physikalische Therapie
Ambulanz für Rückenmarkverletzte
Tel.: 069 475-2146 (AB)
Montag - Freitag: 8.00 - 15.00 Uhr 

Ergotherapie
Ambulanz für Rückenmarkverletzte
Tel.: 069 475-2920
Montag - Freitag 8.00 - 15.00 Uhr 

 

 

  Patienteninfobroschüre

Flyer Rückenmarkverletzte